Leuchtturm ARD Augsburg

Arbeitsgemeinschaft Redlicher Diskurs. Für ausgewogene und bürgernahe Medien.

Krieg und Frieden: Unser Brief an die Augsburger Allgemeine vom 17.04.2023

Sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion, liebe Journalisten und Mitarbeiter der Augsburger Allgemeine,

unseren heutigen Brief möchten wir ein weiteres Mal dem Thema „Frieden schaffen durch Journalismus“ widmen. Wie bereits in unserem Brief zu Julian Assange geschrieben, ist Frieden das, was Presse durch hinterfragende Berichterstattung erreichen könnte. Dazu müsste sie aktiv die Lügen, die zu Kriegen führen, rechtzeitig aufzudecken, bevor sie als Vorwand für Gewalt dienen.

Eine der bekanntesten Kriegslügen ist die von einer PR-Agentur gestaltete Brutkastenlüge, die gezielt ein möglichst grausames Bild für den zweiten Golfkrieg zeichnen sollte. Auch wenn Ihr Artikel zum 30-jährigen Jubiläum dieses Krieges gänzlich ohne Brutkastenlüge auskommt [1], so hatte die Verbreitung dieser Lüge als scheinbare Wahrheit erhebliche Auswirkungen.

Dabei steht die Brutkastenlüge in einer ganzen Reihe von Fehlbehauptungen, die als Rechtfertigung für Kriege dienten. Bereits in der Antike ließ Gaius Iulius Caesar in seinem Bericht die Existenz der Alpen verschwinden, um eine Bedrohung auf Rom zu fingieren [2]. Auch die Dolchstoßlegende und der fingierte Angriff auf den Sender Gleiwitz waren Lügen, die zu Kriegen führten.

Das Muster ist nun seit vielen Jahren bekannt, doch immer wieder wird mit Lügen und Weglassen medial dafür gesorgt, dass erneut Kriege entstehen. Dabei beschränkt sich die „Arbeit“ der Presse nicht nur auf diese Einzelereignisse. Bereits im Vorfeld wurde schon immer ein Feindbild aufgebaut, das dann auch während des Krieges zum Kämpfen und zu Gräueltaten animieren sollte.

Nun stehen wir weiterhin in dieser sich immer wiederholenden Zeitschleife. Auch heute gibt es wieder Krieg, der auf beidseitige Propaganda zurückgeführt werden kann. Bezogen wird sich dabei von jeder Seite auf unterschiedliche Teilereignisse als Ausgangspunkt, die als „unprovozierte Agression“ ausgelegt werden und die Grausamkeit des Gegners darstellen sollen. Beispielsweise steht auf unserer Seite der Angriff Russlands auf die Ukraine, auf russischer Seite der Angriff auf das Gewerkschaftshaus in Odessa an vorderer Stelle um weitere Gewalttaten zu rechtfertigen.

Es wäre hier nun Ihre Aufgabe als Journalisten, diese und weitere Einzelereignisse kritisch zu hinterfragen und aufzuarbeiten, damit aus ihnen keine Gewalt gegen Unschuldige gefordert wird. Dazu müssten Sie gezielt recherchieren und Ungereimtheiten konsequent nachgehen.

Verstehen Sie mich nicht falsch, es geht explizit nicht darum, Gewalttaten ungesühnt zu lassen. Jedoch könnte eine solide Recherche und Aufarbeitung etwa zum Gewerkschaftshaus dafür sorgen, dass dieses Ereignis in Russland nicht dazu verwendet werden kann, den Angriff auf die Ukraine zu rechtfertigen. Gleiches gilt für alle anderen Geschichten, die sich im Umlauf befinden, beispielhaft wären das als Rebellen getarnte russische Soldaten im ukrainischen Bürgerkrieg, das Gespräch über zukünftige Präsidenten von Victoria Nuland, oder die Ereignisse auf dem Maidan.

Aufgabe der Journalisten ist es dabei, sich mit keiner Seite gemein zu machen, sondern alle Ereignisse, an denen die Politik aus unterschiedlichen Gründen kein Interesse an der Aufklärung hat oder mit Vereinfachungen arbeitet, genau zu überprüfen. Denn nur so lässt sich das daraus entstehende Konfliktpotential abbauen.

Wir wissen, dass Sie als Augsburger Allgemeine Lokalzeitung oft nicht die Ressourcen dafür haben, dies durchzuführen. Sie könnten aber an einzelnen Stellen damit anfangen. In allen anderen Fällen wäre es wichtig, in Berichten genau auf diese Unstimmigkeiten und Unsicherheiten hinzuweisen, damit eben keine weiteren Gewalthandlungen daraus folgen.

Aus unserer Sicht ist es Ihre Aufgabe, alle Konfliktparteien, sei es zwischen Staaten, sei es innerhalb der Gesellschaft auf einen sachlichen und wahrhaftigen Diskurs zu

führen. Deswegen würden wir vom Leuchtturm ARD sehr gerne von Ihnen wissen, ob Sie das genauso sehen und wie eine solche Arbeit aus Ihrer Sicht umsetzbar wäre. Kommen Sie deshalb gerne zu unserem Mediendialog jeden Montag um 17:00 und jeden Samstag um 15:30 vor Ihrem Haus in der Maximilianstraße. Oder kontaktieren Sie einen unserer Ansprechpartner, wir sind gerne bereit für ein gemeinsames Gespräch. Ansonsten lesen wir wieder voneinander.

Mit freundlichen Grüßen,

im Namen aller Mitstreiter für unsere gemeinsame Zukunft,

Bis demnächst.

[1] Seibert, Thomas. Vor 30 Jahren hielt dieser Wüstensturm die Welt in Atem. Augsburger Allgemeine, 02.08.2020, abgerufen am 17.04.2023:
https://www.augsburger-allgemeine.de/politik/Operation-Desert-Storm-Vor-30-Jahren-hielt-dieser-Wuestensturm-die-Welt-in-Atem-id57847486.html
[2] Caesar, Gaius Iulius. De Bello Gallico. Buch 1, Kapitel 6